St. Georgs-Ritterorden der Schweiz
Wahre Grösse misst sich nicht am Raum, den wir einnehmen, sondern an den Werten, die wir bewahren!
Der St. Georgsorden der Schweiz (SGO/OSG) ist ein Ritterorden mit Sitz in Embrach (CH). Als historischer Verein lässt er barocke Traditionen aufleben. Seine gepflegte Erinnerungskultur geht auf Katharina die Grosse und die damaligen Verbindungen zur Eidgenossenschaft zurück.
Die allermeisten Ritterorden haben nichts mit den mittelalterlichen Kreuzzügen zu tun; auch die ritterlichen Werte entstanden erst später. Dieser Ritterorden unterscheidet sich von christlichen Gemeinschaften wie den Maltesern, die dem Vatikan unterstehen. Dennoch werden im modernen Ritterorden christliche Werte gelebt. Ebenfalls nicht zu verwechseln ist die selbst ernannte Ritter-Gesellschaft mit einem staatlichen Ritterorden oder jenen von Monarchien – wie dem britischen Königshaus. Demzufolge werden keine Orden und Adelstitel, sondern Medaillen an einem gelb-schwarz gestreiften Band für besondere Verdienste vergeben. Gleichzeitig distanzieren sich die Mitglieder von jenen Ritterorden, die sich wegen krimineller Handlungen vor Gericht verantworten mussten und deshalb als Schwindelorden bezeichnet werden.
Die Mitglieder treffen sich einmal im Jahr zum Kapitel, bei dem neue «Dames» und «Chevaliers» im Rahmen eines Festprogramms in den Verein aufgenommen werden. Der Ritterorden verfügt dafür über keinen Grossmeister. Die Akkolade erfolgt beim SGO/OSG durch den Protektor. Der Ritterschlag mit dem Schwert ist das traditionelle Symbol der Aufnahme. Er zeigt unter anderem auf, dass die mit dem Orden verbundenen Werte gelebt werden. Die Mitglieder in Ämtern werden zur Kennzeichnung jeweils vereinsintern mit militärischen Ehrenrängen betitelt.
Hinzu kommt ein jährlicher gesellschaftlicher Anlass. Das Vereinsprogramm wird durch die Generalversammlung, offene Vorstandssitzungen sowie selbst gestaltete Aktivitäten der Mitglieder abgerundet. Dazu gehören Besuche bei befreundeten Organisationen, eigene karitative Projekte oder Einsätze im Tierschutz. Zusammengehalten wird die Gemeinschaft zudem durch verschiedene Vereinspublikationen. Die Mitglieder des SGO/OSG sind hervorragend mit anderen Vereinen als auch mit der Kirche vernetzt.
Die Geschichten zur Erinnerungskultur und den gelebten Traditionen
Als preussische Prinzessin geboren, führte Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst (1729–1796), als aufgeklärte Frau und Zarin, ihr Russland in eine «glanzvolle» Zeit. Das Bild zeigt die Zarin mit ihrem Orden am Band getragen. Der Orden erlosch mit dem Tode des letzten Zaren nach dem Ersten Weltkrieg.
«L'Ordre Equestre de Saint Georges Russe Impérial»
Der St.-Georgs-Orden gelangte in den 1920er-Jahren durch russische Emigranten nach Frankreich und später nach Deutschland und in die Schweiz. In Frankreich wurde der Orden als «Contre-Ordre» eingestuft. Ende der 1970er-Jahre entstand daraus ein Ableger in Deutschland, der im Begleitband zur Dauerausstellung «Ritterorden – Ordensritter» auf der Burg Querfurt (D) als Laienorden aufgeführt ist. Aus ehemaligen Mitgliedern dieser beiden Gruppen bildete sich im Jahre 2021 der St. Georgorden der Schweiz.
Wichtig: Die in historischen Vereinen (Ritterorden) durchgeführten Ordensvergaben stehen nicht im Zusammenhang mit den wiederbelebten Ordensverleihungen der Russischen Föderation. Ausserdem ist der Verein gemäss Statuten politisch neutral und distanziert sich ausdrücklich von allen Kriegen dieser Welt.
Beziehungen der Schweizer Eidgenossenschaft zum Russischen Kaiserreich
Bereits 1667 nehmen die Republik Genf und die Moskauer Kanzlei für auswärtige Angelegenheiten offizielle Beziehungen auf. Zar Iwan V. tauscht mit der Genfer Regierung offizielle Gesandte aus. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1917 wanderten über 20'000 berufstätige Menschen aus der Schweiz ins Zarenreich aus. Schlechte Berufsaussichten liessen beispielsweise ledige Frauen, Militärs oder Käser auswandern. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fanden Offiziere und Hofbeamte, etwas später auch Ärzte, Architekten, Theologen und Zuckerbäcker in Russland eine neue Heimat. Gelehrte wirkten an der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wie z. B. Daniel Bernoulli oder Leonhard Euler. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts emigrierten zunehmend mehr Erzieher und Gouvernanten (häufig aus der französischen Schweiz) sowie Kaufleute und Industrielle. Der aus der Schweiz stammende Jérémie Pauzié erlangte Berühmtheit, als er die Zarenkrone anlässlich der Krönung von Katharina II. im Jahr 1762 anfertigte.
Persönlichkeiten der Mittel- oder Oberschicht, z. B. der Genfer François Le Fort, der in russischen Diensten eine Militärkarriere absolvierte, oder der Waadtländer Frédéric-César de La Harpe, der als Erzieher des späteren Zaren Alexander I. fungierte, sind besonders zu erwähnen. Mit dem Eisenbahnbau fand die Auswanderung von Bauern bzw. Unterschichten nach 1850 einen weiteren Höhepunkt. In den grösseren Städten des Zarenreichs entstanden Schweizer Kolonien mit eigenen sozialen Strukturen (z. B. das Zürichtal auf der Krim). Pierre Gilliard (1879–1962) arbeitete von 1904 bis 1917 als Erzieher und Hauslehrer der fünf Kinder der Zarenfamilie. Bis 1917 wurden im Zarenreich rund 300 Schweizer Industriebetriebe gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg brach der Handel ein.
Die vor 1917 in der Schweiz lebenden Russen bestanden vor allem aus adligen Touristen, Kurgästen und Wahlschweizern, wie auch politischen Emigranten und Revolutionären sowie natürlich den Studierenden. Die russische Medizinstudentin Nadeschda Suslowa wurde 1867 als erste Frau an der Universität Zürich promoviert.
Politische Meilensteine
Zar Alexander I. setzte sich massgeblich für den Fortbestand einer unabhängigen Schweiz ein. Nach dem Wiener Kongress 1815 entstanden daraus die immerwährende Neutralität und die territoriale Integrität der Eidgenossenschaft. 1817 konnte die Eidgenossenschaft zum Beitritt zur Heiligen Allianz bewegt werden. Sie wirkte als krisenunabhängiger Beobachtungsposten der russischen Diplomatie.
Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts trübten vielfältige Spannungen die bilateralen Beziehungen. 1917 trat Zar Nikolaus II. schliesslich ab – aber auch die provisorische Regierung fand ein rasches Ende. Mit seiner Familie wurde er nach Jekaterinburg gebracht, wo sie im Juli 1918 von den Bolschewiki ermordet wurden. Nach der Conradi-Affäre wurden 1923 die Beziehungen durch die Sowjetunion bis 1946 ganz eingestellt.
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